Karl Sovánka, Maler und Bildhauer, geb. am 7.3.1883 in Uhrovec, Slovakei,
gestorben am 4.5.1961 in Östringen,
Schwiegervater des Arztes Dr. Ernst Gretzmacher

 

 

 

 

 

Seine künstlerische Begabung wurde Karl Sovánka schon bei der Geburt in die Wiege gelegt. Sein Vater war Inhaber einer Glasbläserei und selbst als Bildhauer tätig. Bereits in seiner Jugend fiel sein außerordentliches zeichnerisches Talent auf und so wurde Karl Sovánka nach dem Besuch der Volksschule in die Kunstakademie Budapest aufgenommen. Als Jahrgangsbester mit Diplom-Auszeichnung erhielt er anschließend eine Empfehlung für die Kunstakademie Brüssel, wo er bei dem bekannten Bildhauer Professor van der Stappen seine Ausbildung vervollständigte. Es schlossen sich längere Studienaufenthalte in Paris und Berlin an.

Bereits während seines Studiums in Budapest lernte er einflussreiche Freunde aus der Hohen Tatra kennen, die dort in den Karpaten über große Jagdgebiete verfügten. Durch zahlreiche Einladungen in den Ferien entdeckte Karl Sovánka die faszinierende Tatra-Natur und wurde von der Jagdpassion ergriffen.

Nach Abschluss seiner Ausbildung schlug er mehrere Angebote für eine Festanstellung als Kunstlehrer aus und entschied sich für ein Leben als selbstständiger freier Künstler. Er lebte fortan in Käsmark (Kezmarok) im Zipser Land am Fuß der Hohen Tatra. Dort war er auch zeitweilig als Designer und Zeichner für die Leinen- und Kunststickereifabrik Wein tätig.

Während des Ersten Weltkrieges wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und 1916 an der rechten Hand schwer verletzt. Mit Energie und eisernem Willen schaffte er es während seiner Lazarettzeit, dass er die linke Hand gleichwertig gebrauchen konnte.

1917 heiratete er seine aus Berlin stammende Frau Emma. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, die Tochter Helene (spätere Ehefrau von Dr. Gretzmacher) und der Sohn Stefan.

In der Folgezeit hatte er seine produktivste Schaffensphase. Die künstlerische Wiedergabe seiner Beobachtungen und Erlebnisse mit dem Wild in seiner natürlichen Umgebung und Jagdszenen in den Bergen der Hohen Tatra rückten mehr und mehr ins Zentrum seines Schaffens. Von der Jagd kommend führte ihn sein erster Weg ins Atelier, wo er seine frischen Eindrücke sofort in Skizzen festhielt. Seine Darstellungen des Wildes in seiner Anatomie und seiner natürlichen Umgebung wurden immer perfekter, die Farbtöne seiner Bilder wählte er so geschickt, dass Jahres- und Tageszeiten klar erkennbar waren. 

 

 

 

 

 

Mehrfach im Jahr beteiligte er sich an größeren Ausstellungen oder veranstaltete selbst Ausstellungen, so zum Beispiel in Prag, Brünn, Graz oder Berlin. 1931 wurde er bei der Ausstellung der slowakischen Kunst in Prag für eine Reh-Gruppe in Bronze mit der Goldmedaille ausgezeichnet.

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Jagdausstellung in Prag im Jahr 1933 gewann er Gold für seine Serie von Ölgemälden mit Rehmotiven.

Er war finanziell so erfolgreich, dass er selbst große Jagdgebiete in der Hohen Tatra pachten und Jagdpersonal einstellen konnte. Als Jagdherr führte er ein gastliches Haus und konnte sich so für viele Einladungen revanchieren.

Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen veränderten Karl Sovánkas Leben von Grund auf. Sein Sohn Stefan, der als Soldat eingezogen worden war, galt in den letzten Kriegstagen als vermisst.

 

 

 

 

Nach Ende des Krieges war der gut situierte Jagdherr den neuen Machthabern der ehemaligen Tschechoslowakei ein Dorn im Auge: Sie enteigneten ihn und beschlagnahmten den gesamten Inhalt des Ateliers samt seinen Arbeiten und einer wertvollen Sammlung flämischer Maler. Dennoch entschied er sich zunächst in Preßburg (Bratislava) zu bleiben, weil er auf ein Lebenszeichen seines im Krieg vermissten Sohnes hoffte – jedoch vergeblich. Im Auftrag der slowakischen Staatsforstverwaltung malte er großformatige Motive zur Ausstattung der verstaatlichten Schlösser.

Als ihm die Deportation nach Russland drohte, gelang Karl Sovánka die Ausreise zu seiner Tochter nach Östringen. Sein Schwiegersohn, Dr. Ernst Gretzmacher, hatte im März 1949 auf Vermittlung von Dr. Jausz eine Anstellung als Assistenzarzt im ehemaligen Östringer Krankenhaus (Hauptstraße 43, später Kinderkrippe, heute Spielothek) angetreten und nach dessen Tod seine Kassenarztpraxis in Östringen übernommen.

Der Verlust seines Sohnes in den letzten Kriegstagen sowie die Vertreibung aus dem landwirtschaftlichen und jagdlichen Kleinod in der Hohen Tatra machten aus dem weltläufigen Jagd- und Gutsbesitzer Karl Sovánka einen gebrochenen Mann. Man kann sich gut vorstellen, wie schwer es ihm fiel, sich als besitzloser Flüchtling mit den äußerst bescheidenen Wohn- und Jagdverhältnissen in einer neuen und fremden Umgebung zurechtzufinden. Er führte fortan ein zurückgezogenes Leben im Kreis der Familie seiner Tochter. Aber er schöpfte Kraft aus seiner Kunst und malte jeden Tag. Dabei bevorzugte er als Motive idyllische Winkel im alten Östringer Ortskern und dokumentierte somit heute längst verschwundene Straßenansichten für die Nachwelt. Er malte auch Wild- und Jagdmotive aus der Erinnerung und modellierte noch einmal eine Rehgruppe und einen Gamsbock in Lebensgröße.

Zudem restaurierte er in Östringen Heiligenfiguren, malte Kapellen wie die Zopfkapelle bei deren Renovierung 1949/50 aus. Für den Fatima-Bildstock am Rand des Brettwalds, der 1951 eingeweiht wurde, schnitzte er eine der Fatima-Madonna nachempfundene Statue aus Lindenholz. Leider ging die Originalfigur aus Lindenholz 1972 durch einen Diebstahl verloren und wurde ein Jahr später durch eine neu gestiftete Figur ersetzt. Seine Märchenszenen, mit denen er die Wände des alten Kindergartens in der Hinteren Straße bemalte, fielen leider der Renovierung zum Opfer.

Karl Sovánka starb am 4. Mai 1961 in Östringen an den Folgen einer Lungenentzündung.

 

Künstlerische Bewertung und Bedeutung heute

Wild- und Jagdmotive standen im Mittelpunkt von Karl Sovánkas künstlerischem Werk. Aber er malte auch immer wieder Landschaftsbilder, z. B. Motive aus der Hohen Tatra, Waldlandschaften und auch reizvolle Motive aus seiner Heimatstadt Käsmark und Umgebung. Damit sprach er Naturfreunde und Jäger gleichermaßen an. Als Bildhauer schuf er Gedenk- und Grabplatten bedeutender Bürger seiner Heimat. Er illustrierte zahlreiche Bücher und arbeitete über viele Jahre für die erste slowakische Jagdzeitschrift.

Zu Zeiten der kommunistischen Diktatur wurde Karl Sovánka in seiner Heimat lange totgeschwiegen und wenn seine Bilder doch einmal gezeigt wurden, dann ohne Signatur. Doch auch heute noch finden sich vor allem im Kreis der Jägerschaft Liebhaber seiner Kunst, deren Anliegen es ist, die in Karl Sovánkas Werk dokumentierte Liebe zur Natur, Wald, Wild und Jagd einem breiten Publikum bekanntzumachen. Davon zeugen die Ausstellungen in Lauterbach/Hessen (1990) und in Schloss Tambach (1997) ebenso wie in seiner alten Heimat, der Slowakei, in St. Anton/Sv. Anton (1993) und Käsmark/Kezmarok (1994).

Seine Bilder hängen in Schlössern und Museum, aber auch in Wohn- und Jagdzimmern einfacher Leute. Die umfangreichste und bedeutendste Sammlung seiner Werke ist im slowakischen Jagd- und Holzmuseum St. Anton zu sehen.

 

Schenkung an das Heimatmuseum

 

 

 

 

Im September 2012 überreichte Astrid Schneider, die Enkelin des Künstlers, vier Originalzeichnungen ihres Großvaters mit alten Östringer Ansichten an den Leiter des Heimatmuseums Karl-Heinz Breitner. Die Zeichnungen fanden einen Platz im Treppenaufgang des Heimatmuseums und können dort während der Museumsöffnungen besichtigt werden.

 

 

 

 

 

  

Die folgenden Bilder von Karl Sovánka wurden dem Heimatmuseum Östringen überlassen und können dort besichtigt werden: 

 

 Weitere Bilder von Karl Sovanka mit Östringer Motiven: