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Was ich schon immer wissen wollte

 

 Hier können Sie im Jahrbuch 2015 blättern.

Flip Book ID 1

 

 

 


 

 

 

 

An dieser Stelle erhalten Sie Antworten auf die Fragen,

die an das Heimatmuseum gestellt wurden.

 

 

 

 


 

Warum müssen die Hausbesitzer im Huwinkel Erbpacht zahlen?

Die komplizierten Zusammenhänge können wir nur stark verkürzt und unvollständig beschreiben.

Ein Sturm riss im Jahre 1724 das Dach des Kirchturms weg; er drohte einzustürzen, es regnete in die Kirche. Das Speyerer Domkapitel, das Heidelberger Stift (später Evangelische. Pflege Schönau) und einige Adelsfamilien waren für die Kosten der Instandsetzung zuständig, weil sie Steuern in Östringen einnahmen. Das Heidelberger Stift weigerte sich die Kosten zu übernehmen. Darauf  verbot das Speyerer Domkapitel Östringen, Steuern an das Heidelberger Stift zu zahlen. Die gerichtliche Auseinandersetzung dauerte 77 Jahre bis der badische Großherzog im Jahre 1833 verfügte, dass Östringen seine Steuern zu Unrecht eingehalten hatte. Die Gemeinde konnte die in Jahrzehnten angehäuften Steuerschulden nicht aufbringen und übereignete als Ersatz das Gewann Huwinkel. Seither gehören die Grundstücke, die für 99 Jahre verpachtet sind, in der Huwinkel-, Wiesen-, Adenauer-, Ostend-, Kolpingstraße und Rodelweg der Ev. Pflege Schönau.

 

 


 

Frage: Welches ist die älteste Mühle in Östringen?

Hier gab es fünf Mühlen. Die Öl- und Mahlmühle unter dem Bollberg, heute ehemaliges Anwesen Essert in der Mühlstraße, die Obere Mühle, heute Heinzmann Mühle in der Alten Straße, die Mittelmühle am Kirchberg neben dem Pfarrhaus, die Untere Mühle, heute Klotz oder Hammer Mühle beim Johannisbrunnen, und die Neumühle, heute Klefenz Mühle an der westlichen Hauptstraße 14.

Die Neumühle wurde um 1700 gegründet und ist die jüngste von allen. Im Jahre 1414 werden die Ober-, Mittel- und Untermühle erwähnt. Wann sie gegründet wurden, konnten wir nicht herausfinden. Die älteste Erwähnung stammt aus dem Jahre 1341 für die Obere Mühle; sie gehörte zum Stift Odenheim. Alle Mühlen wurden mit Wasser aus dem Freibach betrieben, teilweise über einen Mühlkanal.

 

Die obere Mühle, (Heinzmann Mühle):

 

Die Untere Mühle beim Johannisbrunnen(1938):

 

 

Die Neumühle (Klefenz):

 


 

Renate Sautner fragte:

Wieviele Gaststätten, Metzgereien und Lebensmittelgeschäfte gab es früher?

Metzgereien gab es nur in Gaststätten. Die Wirte schlachteten hauptsächlich für den Eigenbedarf und verkauften auch an Kunden. Die meisten Bürger deckten ihren Fleisch- und Fettbedarf durch Hausschlachtungen.

Lebensmittel gab es nur beim Bäcker; er wurde meist von Handelsketten beliefert.

Die Wirtschaften entstanden meist aus kleinen privaten Bierbrauereien. Sie erhielten von den Bischöfen von Speyer die Schildwirtschaftsgerechtigkeit, das heißt, sie durften mit einem Gasthausschild für sich werben. Eine solche Genehmigung ist uns vom „Engel“ aus dem Jahre 1717 erhalten.

Ein Gastwirt bewirtete Gäste, schlachtete Schweine und Rinder, braute Bier und brannte Schnaps. Viele Häuser beherbergten Reisende. Die geselligen Veranstaltungen fanden in den Sälen über dem Gastraum statt. Einige Lokale wählten sich die Vereine als Vereinslokale aus.

Bei der Aufzählung der Gasthäuser beschränken wir uns auf die alten, meist nicht mehr existierenden.

 

Der „Löwen“ von Familie Jaggy, Hauptstr. 68, heute Haus am Löwenplatz.

 

Der „Erbprinz“, Hauptstr. 61, ehemals Anwesen Kistelhuber.

 

Die „Krone“, Hauptstr. 88.

 

Der „Ochsen“, Hauptstr. 105, heute Eiscafé.

 

Das „Lamm“, Hauptstr. 107, heute Venezia.

 

Die „Blume“, Keltergasse 2.

 

                                                           Die "Blume", Keltergasse 2, heute.

 

Der „Goldene Becher“, Hauptstr. 104, Fachwerkhaus Mohr bzw. Kessler.

 

Der „Hirsch“, Hauptstr 114 (Metzgerei Kneller).

 

Der „Engel“, Hauptstr. 116, heute Feuerwehrhaus.

 

Die „Sonne“, Hauptstr. 123.

 

Der „Adler“, Hauptstr. 154.

 

Die „Linde“, Hauptstr. 147.

Kein Bild von der "Linde"

 

Der „Grüne Hof“, Georgstr. 16, heute Wohn- und Geschäftshaus.

 

Die „Waldlust“, Rettigheimerstr. 29 ,heute Weinlust.

 

 


 

 

Frage: Warum heißt das  Dachsenbrünnle Dachsenbrünnle

möchte Mathilda Maximiliana 3 und ½ Jahre alt wissen.

 

Mathilda stellte uns eine so schwierige Frage, dass wir die Antwort nicht wissen. Aber wir fragten unseren ehemaligen Feldschütz. Der sagte Folgendes: Der Hang an der Thalsbach, aus dem die Quelle fließt, ist aus Löss. Löss ist weich und nicht steinig.  Man kann leicht Höhlen in den Löss graben. Früher gab es beim Dachsenbrünnle zahlreiche Dachslöcher, in denen ganze Dachsfamilien wohnten. Den Dachsen gefiel es da, es gab zu fressen, in den Büschen konnten sie sich verstecken und der Wald war auch nicht allzu weit weg. Brünnle heißt es, weil es kein Brunnen ist. Es fließt nur wenig Wasser aus dem Rohr. Also der Dachs und das Brünnle ergeben Dachsenbrünnle.

Das Dachsenbrünnle heute:

 


 

Dr. Wendel Deschner fragte:

Gibt es Hinweise auf eine Besiedlung Östringens zur Zeit der Römer?

Dr. Micheal Klefenz antwortet: In der Ortsakte des Landesdenkmalamtes Karlsruhe gibt es keinen Eintrag von Funden, die auf eine römische Besiedlung hinweisen. Eine römische Silbermünze mit dem Bild des Kaisers Antonius Pius (*86 - +161 nach Chr.) wurde im Jahre 1884 gefunden und 1937 eine Sesterz (kleine römische Münze ohne Kaiserbild), die zeitlich nicht näher zuzuordnen ist. Auch von den Scherben im Museum aus römischer Terra Sigilate wissen wir nicht, woher sie kommen und wo sie gefunden wurden. Die Funde belegen keine Besiedlung Östringens zur Römerzeit. Sie können zufällig an ihren Fundort gekommen sein.

Die Hochstraße, die am Gallus-Bildhäusle vorbeiführt, könnte Teil einer römischen Straße von Karlsruhe Durlach an den Neckar und nach Bad Rappenau oder Osterburken gewesen sein. Durch Grabungen belegt ist das nicht.

 

 

 


 

 

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