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zur 1250 Jahrfeier der Stadt Östringen

     an denen das Heimatmuseum

    direkt oder indirekt beteiligt ist. 

 

                                               

 

Aktionen 2018 zur 1250 Jahrfeier vom HM  ← Klick

 


Das geheimnisvolle Volk der Kelten

Das Veranstaltungsprogramm zur 1250 Jahrfeier der Stadt Östringen enthält mehrere Vorträge in der Reihe „Unsere Heimat kennen lernen“.

Dr. Günther Wieland vom Landesamt für Denkmalpflege referierte als Leiter der Fachbereiche Archäobiowissenschaften kompetent und detailliert über die Kelten, die in der Hallstatt- und Latènezeit (8. bis 1. Jh. v. Chr.) weite Teile Europas bewohnten. Im Wesentlichen beschränkte er sich auf Forschungen zu den Bestattungs- und Siedlungsarten der Kelten, deren Kultur wegen fehlender schriftlicher Überlieferung weitgehend in rätselhaftem Dunkel bleibt. Überschaubare Hinweise geben die Gräber und Siedlungsreste.

Überraschende Ergebnisse lieferte die Ausgrabung des prächtigen Fürstensitzes Heuneburg bei Sigmaringen. Im Raum zwischen oberer Donau und Rheinknie befand sich ein Zentrum der Macht und des Handels, dessen Netz ganz Europa umspannte. Donau und Rhein ermöglichten den Transport von Handelswaren wie Zinn, Kupfer, Eisen in großen Mengen.

In Sinsheim-Dühren und Richen wurden im 19.Jh. 15 Gräber mit Durchmessern von 10 bis 17 Meter freigelegt, in denen bis zu 80 Bestattungen stattfanden. In Sulzfeld und Sternenfels wurden neben Hügelgräbern auch Steinnekropolen gefunden.  Den Toten wurden Bronzeschmuck, Waffen und Bronzefiguren ins Grab mitgegeben. Den Pferden, die sie als Arbeits- und Reittiere nutzten, kam eine wichtige Bedeutung in ihrer Kultur zu, so Günther Wieland

Sie siedelten vorzugsweise auf Höhen und umgaben die Einzelgehöfte oder kleinen Weiler mit mächtigen Wällen und bis zu zwei Meter tiefen Gräben; häufig hatten sie die Form einer Viereckschanze, wie sie bei Gerichtstetten freigelegt wurde.  

In den Haushalten wurden Gefäße aus Ton und Bronze verwendet. Die Werkzeuge aus Bronze und Eisen erlaubten den Handwerkern auch die Bearbeitung von härteren Materialien. Die Frauen der  Bauern mahlten das Getreide zwischen Steinen. Auffällig sind die bei Dossenheim gefundenen Napoleonhüte. Es handelt sich dabei um einen dem napoleonischen Dreispitz ähnelnden Basaltstein aus der Eifel, der mit dem spitzen Teil in den Boden gesteckt als Auflage für die Körner diente, führte der Referent aus.

Auf der Gemarkungsgrenze zwischen Östringen und Mühlhausen im Gewann Grummbach befindet sich die größte zusammenhängende Hügelgräberanlage in Baden-Württemberg mit über 80 Bestattungen aus der Zeit der Kelten. Und schon im 19. Jahrhundert wurden einige dieser Gräber nach dem damals archäologischem Standard ausgegraben und dokumentiert. Die meisten Funde sind jedoch in den Kriegswirren verschwunden.

 

Wegen mehrerer Parallelveranstaltungen in den benachbarten Schulen ließ der Besuch bedauerlicherweise zu wünschen übrig. (Bac)


 

                                     Weinküfer zeigen traditionsreiches Handwerk

                                                      

Wer geglaubt hatte, dass sich das Interesse der Östringer Bevölkerung an aussterbenden Berufen nach vier Monaten abschwächen würde, wurde am Sonntag im Hof des Ruhbenderhauses am Leibergplatz eines Besseren belehrt. In den vergangenen Monaten präsentierte das Team Ruhbenderhaus im Freundeskreis Heimatmuseum den Schmied, den Bäcker, den Korbflechter und die Textilberufe. Am Sonntag fügten Böttchermeister Franz Markheiser  aus Hilsbach und Küfer Oskar Reiser aus Zeutern aus Kufen, Brettern und Reifen nach überlieferten Methoden ein Holzfass zusammen. Interessiert umstanden ganze Familien die Handwerksmeister und bewunderten ihr handwerkliches Geschick. Die Erwachsenen ließen sich die einzelnen Schritte bei der Montage des Fasses von den Fachleuten erklären. Zahlreiche Fässer und Bottiche wurden in einer kleinen Ausstellung gezeigt. Parallel zur Vorführung der Weinküfer zeigte Michaela Klefenz im Museum in Bildern und Texten die Geschichte und die Vielfalt des Küferhandwerks. Die Veranstaltungen leisteten einen Beitrag zum Jubiläumsprogramm der Stadt anlässlich ihrer ersten Erwähnung vor 1250 Jahren. (Bac)

                

                                                      Küfermeister Franz Markheiser (rechts) und Oskar Reiser zeigen das fertige Fass

 


                                                                                Aussterbendes Textilhandwerk gezeigt                                                   

                                                Experte Claus Kropp, Leiter des Freilichtlabors Lauresham, unter den Besuchern                              

Scheuchte der eisige Winter im März die Menschen in die Östringer Museum, so lockte im April die die Sonne überwältigend viele Besucher zu den Wochenendveranstaltungen des Freundeskreises  aus Anlass des 1250-Jahre-Jubiläums in das Alte Rathaus und das Ruhbenderhaus. Unter dem Jahresthema „Altes Handwerk – aussterbende Berufe“ ging es um die Kleidung.
Im Museum referierte das Mitglied des Freundeskreises Heimatmuseum und gelernter Weber Karlheinz Grundl zum Thema „Vom Faden zum Textil“ und ließ sich beim Weben auf einem museumseigenen Webstuhl zuschauen. Sein reiches Fachwissen, das er sich in der Entwicklungsabteilung der ICI Faserwerke angeeignet hatte, war bei den Besuchern gefragt. Begleitend zeigte die von Michaela Klefenz  organisierte Ausstellung Werkzeuge, Materialien und erklärende Schautafeln zum Weberhandwerk.
Der Hof des Ruhbenderhauses reichte nicht aus für die verschiedenen Vorführungen und Mit-mach-Aktionen. Vor dem offenen Hoftor staunten die Kinder über ihre selbst gefertigten dekorativen Filzdeckchen, die ihnen unter Anleitung von Tatjana Krüger in nasser Filztechnik gelangen. Daneben präsentierte sie Filzpantoffeln und Kleidung aus eigener Herstellung.
An anderen Tischen wagten sich Mädchen an die Gestaltung von Kunstobjekten mit der Nadelfilztechnik und kamen von Gabi Stieglitz angeleitet zu schönen Ergebnissen, die sie stolz ihren Angehörigen zeigten.
Die Besucher konnten den Blick nicht von den flinken Händen der Spinnerinnen am Spinnrad vom Heimatverein Wiesental wenden. Jasmin Kropp ließ sich anstecken, griff zur Spindel und ließ den Faden geschickt durch die Finger laufen. Sie besuchte mit ihrem Mann Claus, der das Freilichtmuseum Lauresham leitet, die Veranstaltung. Gezeigt wurde, wie Leinenfasern und Wolle für das Spinnen vorbereitete werden. Bestaunt wurden die kunstvoll gedrechselten Spinnräder, die in feiner handwerklichen Kleinarbeit gefertigt waren.
Die Mitarbeiter des Freundeskreises fühlen sich beflügelt von dem großen Interesse, das seine Veranstaltungen zum Jubiläum wecken und laden schon jetzt für den Mai ein, wenn die historische Person Maria Anna Zopf nachts in romantischer Atmosphäre durch das Museum führt oder der Weinküfer- und Böttchermeister im Ruhbenderhaus arbeitet. (Bac)

Spinnerinnen des Heimatvereins Wiesental 

 

 Gabi Stieglitz leitet Kinder zum Nadelfilzen an.

                                                                                               


 

Der eisige Wind scheuchte die Besucher in die Östringer Museen.

Der Beruf des Korbflechters stand im Fokus der Veranstaltungen im Heimatmuseum und im  Ruhbenderhaus  in der Reihe „Altes Handwerk und aussterbende Berufe“ zum 1250jährigen Stadtjubiläum.

Begleitet wurden die Vorführungen und Mit-mach-Aktionen von Ausstellungen zu den Osterbräuchen und zu Korbwaren.

Während auf den Straßen und am Leibergplatz nur wenige Personen mit Mützen und hochgestelltem Kragen dem Wind trotzten, drängten sie sich in den Museen. Bei Halbzeit waren schon über 100 Besucher im schnuckeligen Ruhbenderhaus gezählt, wo sie Freddy Bopp und den Kindern beim Korbflechten zuschauten, sich die Hände am Kanonenofen wärmten, in anheimelndem Ambiente Kaffee aus bunten Sammeltassen tranken und aus steinernen Krügen Wein in grüne Römergläser schenkten.

Im Hof des 300 Jahre alten Anwesens erinnerten geflochtene Brotkörbchen, stabile Kartoffel- und Holzkörbe und riesige Futterkörbe, sowie Korbflaschen an die Vor-Plastik-Zeit. Ein Hauch von Ostermarkt war bei den Kunden zu spüren, die sich neue Körbe kauften.

Im Alten Rathaus flocht Juliane Eckstein hübsche Gegenstände für die Dekoration der eigenen vier Wände. Die frischen Weidebündel aus der Pfalz luden nach Längen sortiert zum kreativen Mitmachen ein. Buchstäblich im Handumdrehen entstanden, Kränze, Körbchen, Schiffchen und Herzen aus Weidenruten. Eckstein erläuterte die einzelnen Arbeitsschritte, sprach über die Eigenschaften des Werkstoffes und die Billigerzeugnisse aus Asien, die oft von Kindern zu Dumpinglöhnen gefertigt werden.


 

                                 

 

Der Korbflechter und die Kinder

 

 

Korbflechten im Heimatmuseum

Michaela Klefenz informierte auf Texttafeln über das Handwerk des Korbflechtens und über Osterbräuche. Dazu zeigte sie Holzkarren in verschiedenen Ausführungen und Größen, die in der Zeit vom Gründonnerstag bis zur Osternacht die Kirchenglocken ersetzen.

Am Karsamstag ziehen die Östringer Messdiener mit ihren meist selbstgefertigten Karren, die ohrenbetäubenden Lärm erzeugen,  von Haus zu Haus und erbitten eine kleine Gabe zur Belohnung für ihren ehrenamtlichen Dienst am Altar das ganze Jahr über. Die üblichen Geschenke sind Ostereier, Süßigkeiten und Münzen.

Ihr Spruch lautet: „Wir haben gekarrt am Heiligen Grab, darum gebt uns eine Gab, nicht so groß und nicht zu klein, dass sie geht ins Körbelein." Sie danken: "Ihr habt uns eine Gab gegeben, darum sollt ihr glücklich leben, glücklich eure Freunde, glücklich eure Kinder." Sie verfluchen: "Ihr habt uns keine Gab gegeben, darum soll euch der Teufel fegen." (Bac)

(Östringer Stadtnachrichten vom 23.03.2018, Text: Stefan Bachstädter, Bilder: Reinhard Längle)

 


                       Die Vorstellung vom dunklen Mittelalter ist falsch

Claus Kropp vom Kloster Lorsch ließ Östringen im frühen Mittelalter lebendig werden.

 

Einen weiteren Höhepunkt in der Veranstaltungsreihe der Stadt Östringen zum 1250-Jahre-Jubiläum setzte der Leiter des Freilichtlabors Lauresham Claus Kropp vor über 100 Zuhörern in der Stadtbücherei. Der Wissenschaftler und Praktiker, dem die BNN in der Wochenendausgabe eine ganze Seite widmete, zeichnete in seinem Vortrag zur ersten Erwähnung Östringens ein detailliertes   Bild Östringens im frühen Mittelalter. Er schilderte, wie die Menschen damals lebten, arbeiteten, wohnten, welche Berufe sie ausübten und veranschaulichte die Schilderung mit Bildern aus dem Freilichtlabor Lauresham. „Die Leute damals waren nicht dumm, es waren Menschen wie wir. Das Mittelalter war nicht finster“, führte Kropp aus.

Am Beispiel des Weltkulturerbes zeigte er die Bedeutung der ersten Klöster im Frankenreich für die Entwicklung ihres Einzugsbereichs auf. Das von seinem Vater Pippin gegründete Kloster Lorsch sollte nach dem Willen Karls d. Gr. den Odenwald und Kraichgau kultivieren.
Der Herrenhof mit Kirche, Wohnhäusern und Wirtschaftsgebäuden war die damalige Siedlungsform. Intelligente Handwerker bauten Häuser aus Holz, Flechtwerk und Lehm, deckten sie mit Reet und Stroh und erreichten Dämmwerte, die heutige moderne Bauten nicht erfüllen.   

Die Innenräume waren komfortabel ausgestattet und unterstrichen durch den erhöhten Sitz am Tisch die übergeordnete Stellung der Hausherren. Künstlerisch anspruchsvolle Möbel mit fein gedrechselten Verzierungen leisteten sich die Wohlhabenden.
Nachhaltig und resourcenschonend verarbeiteten die Handwerker die Rohstoffe, ohne Abfälle zu erzeugen. Ihre Werkzeuge unterschieden sich nicht wesentlich von den heutigen.

Die Landwirtschaft schonte die Natur durch den Einsatz von Zugtieren. Vielfalt im Anbau von Getreide schützte bei Wetterkapriolen vor dem Totalausfall. Die Menschen lebten eng mit den Tieren zusammen und ernährten sich von ihnen.

Die erste Erwähnung im Jahre 768 versah der vorsichtige Referent zwar mit einem Fragezeichen, sah sie aber wissenschaftlich als gesichert an und stützte sich dabei auf die Glöcknersche Bearbeitung des „Codex Laureshamensis“ in der deutschen Übersetzung von Minst: „Donatio Dudonis in eadem villa (768?) Aug. 18“  Ein Faksimile der Seite, auf der Östringen erstmals erwähnt ist, war in Originalgröße ausgestellt.

Die zahlreichen Fragen der Besucher bewiesen das starke Interesse an den Ausführungen Kropps.
Bürgermeister Felix Geider dankte den vielen Ehrenamtlichen unter den Anwesenden, die sich in die  Veranstaltungen der Stadt wirkungsvoll einbringen und lud sie ein, die Gelegenheit zum Besuch des Klosters am 11. und 21. April 2018 wahrzunehmen. (Bac)

(Stadtnachrichten vom 16.03.2018, Text: Stefan Bachstädter)

 


 

Überwältigendes Interesse an Kirchenführung

Michaela Klefenz und Jürgen Östringer staunten am Sonntagnachmittag nicht schlecht, als sich über 80 Besucher am Südportal der katholischen Kirche St. Cäcilia versammelten, um Informationen aus erster Hand zu erhalten.

Ein Großteil der Besucher kannte ihre Kirche von klein auf, Zugezogene wollten mehr über den Wohnort wissen und zahlreiche Interessierte kamen aus den Nachbargemeinden.

Beeindruckt zeigten sie sich von dem harmonischen Ensemble mit der Kirche dem Rathaus, dem Brunnen und der Mariensäule, die sich um die 100jährige Linde gruppieren.

Der entlaubte Baum ließ den freien Blick auf die Ölberggruppe am halbrunden Chor Bau der Kirche zu. Das benachbarte Pfarrhaus komplettiert den Gesamteindruck.

Bei einer Kirchenführung erlebt man den Innenraum anders als bei Gottesdiensten. Die Gäste ließen die gewaltigen Ausmaße der dreischiffigen neuromanischen Basilika auf sich wirken, während ihnen die Hobbyhistoriker Einzelheiten zu der Ausgestaltung und den Renovierungen erzählten.

Auf der geräumigen Empore erfuhren sie unter anderem von zwei gründlichen Instandsetzungen der kostbaren Steinmeyerorgel.

Die Kirchenführung, ein Beitrag der katholischen Kirchengemeinde zum 1250-Jahre-Jubiläum der Stadt, lieferte den Beweis dafür, dass die Bevölkerung stark interessiert ist an der Geschichte der Stadt. (Bac)

(Stadtnachrichten 09.03.2018,Text und Bild: Stefan Bachstädter)