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1250 Jahrfeier

       

  An dieser Stelle finden Sie Beiträge

zur 1250 Jahrfeier der Stadt Östringen

     an denen das Heimatmuseum

    direkt oder indirekt beteiligt ist. 

 

                                               

 

Aktionen 2018 zur 1250 Jahrfeier vom HM  ← Klick

 

 


 

Knochen, Werkzeuge und Exkremente geben Auskunft über die Jungsteinzeit

Unsere Heimat kennen lernen wollten interessierte Besucher in der vollbesetzten Stadtbücherei Östringen beim Vortrag der Mitarbeiterin des Landesamts für Denkmalpflege Birgit Regner-Kamlah. Sie forscht über die Jungsteinzeit und veröffentlichte unter anderen die Ergebnisse der Grabungen zum Erdwerk „Aue“ in Bruchsal.

Sie grenzte die Jungsteinzeit (5 500 – 2 200 v. Chr.) von der Altsteinzeit mit den Funden des Unterkiefers von Mauer und den Knochenresten des Neandertalers und der folgenden Bronzezeit ab. Wissenschaftlich behutsam beleuchtete sie mit großem Detailwissen die Bereiche Besiedlung, Hausbau, Ernährung, Landwirtschaft, Geräte, Werkzeuge, Bevölkerung und Krankheiten. Mit dem „Krimi von Talheim“ unterstrich sie die Grausamkeiten jener Zeit mit der Schilderung des Massenmordes an dreißig Dorfbewohnern im schwäbischen Talheim.

Menschen wurden in der Jungsteinzeit im Zweistromland sesshaft, lernten Pflanzen anbauen und Haustiere halten. Sie wanderten nach Norden und brachten ihr Getreidearten und domestizierten Haustiere wie Rinder, Schafe und Ziegen mit. Diese haben keine Vorfahren in Europa. Die Keramikfunde von Ungarn bis an den Rhein, die mit Linien verziert sind, gaben der Kultur den Namen „Bandkeramiker“.

Sie lebten um 4 000 v. Chr. vom Brandrodungsfeldbau. In den Waldflächen fällten sie Bäume, schufen Lichtungen für den Anbau von Getreide und den Hausbau, brannten sie ab, zäunten sie ein und verließen sie wieder, sobald die Löss- oder Schwarzerdböden keinen Ertrag mehr brachten.

Sie ernährten sich neben dem Ackerbau und der Viehzucht von der Jagd, dem Fischfang und dem Sammeln von Früchten. In Funden menschlicher Exkremente wurden Reste von 70 verschiedenen Sammelfrüchten identifiziert.

Weil im Winter das Futter für die Haustiere knapp war, wurden sie geschlachtet. Nur die Zuchttiere fütterte man durch. Man legte Vorräte von getrockneten Früchten an, hielt Nahrungsmittel in Erdgruben frisch, konservierte sie in Eiskellern oder legte sie ein.

Die Menschen in der Jungsteinzeit wirtschafteten nachhaltig. Von geschlachteten Tiere wurde nicht nur das Fleisch verzehrt. Die Felle verarbeitete man zu Kleidern und Decken, die Knochen zu Werkzeugen, die Sehnen zu Seilen. Die Werkzeuge aus Stein kombinierten sie mit Holz, Bast, Knochen und Lederriemen. Ob sie schon Leinfasern zu Stoffen verarbeiteten, ist nicht nachgewiesen, da bisher kein Webstuhl aus dieser Zeit gefunden wurde. Öl gewann man aus den Leinsamen und Nüssen.

Dunkle Stellen im Boden  kennzeichnen Holzpfosten und lassen Schlüsse auf die Größe der Bauten zu. Die bis zu dreißig Meter langen Häuser für Großfamilien werden in der Folgezeit immer kleiner.

Sie stehen an Gewässern auf Stelzen, ebenerdig oder in Gruben eingelassen. Die Wände zwischen den Stützen aus Flechtwerk und Lehm schützen gut gegen Hitze und Kälte, die Dächer sind aus Reet oder Schindeln. Im Schnitt lebten 40 Personen in einer umzäunten Siedlung.

Die Skelettfunde lassen auf ein entbehrungsreiches, arbeitsintensives und leidvolles Leben der Menschen schließen. Ansteckende Krankheiten und Infektionen, die oft von Tieren übertragen wurden oder Verschleißerscheinungen wie Arthrose verursachten Schmerzen und führten zum frühen Tod.

Michaela Klefenz dankte der Referentin mit einem Weinpräsent. (Bac)

(Östringer Stadtnachrichten vom 20.04.2018, Text und Bild: Stefan Bachstädter)

                                                                                   

 Die Dozentin, Mitarbeiterin des Landesamts für Denkmalfplege, Birgit Regner-Kamlah in der Stadbücherei

 

 

 


 

                                       Aussterbendes Textilhandwerk gezeigt

               Experte Claus Kropp, Leiter des Freilichtlabors Lauresham, unter den Besuchern

 

Scheuchte der eisige Winter im März die Menschen in die Östringer Museen, so lockte im April die die Sonne überwältigend viele Besucher zu den Wochenendveranstaltungen des Freundeskreises  aus Anlass des 1250-Jahre-Jubiläums in das Alte Rathaus und das Ruhbenderhaus.

Unter dem Jahresthema „Altes Handwerk – aus-sterbende Berufe“ ging es um die Kleidung.

Im Museum referierte das Mitglied des Freundes-kreises Heimatmuseum und gelernter Weber Karlheinz Grundl zum Thema „Vom Faden zum Textil“ und ließ sich beim Weben auf einem museumseigenen Webstuhl zuschauen. Sein reiches Fachwissen, das er sich in der Entwicklungsab-teilung der ICI Faserwerke angeeignet hatte, war bei den Besuchern gefragt.

Begleitend zeigte die von Michaela Klefenz  organisierte Ausstellung Werkzeuge, Materialien und erklärende Schautafeln zum Weberhandwerk.

Der Hof des Ruhbenderhauses reichte nicht aus für die verschiedenen Vorführungen und Mitmach-Aktionen. Vor dem offenen Hoftor staunten die Kinder über ihre selbst gefertigten dekorativen Filzdeckchen, die ihnen unter Anleitung von Tatjana Krüger in nasser Filztechnik gelangen. Daneben präsentierte sie Filzpantoffeln und Kleidung aus eigener Herstellung.

An anderen Tischen wagten sich Mädchen an die Gestaltung von Kunstobjekten mit der Nadelfilz-technik und kamen von Gabi Stieglitz angeleitet zu schönen Ergebnissen, die sie stolz ihren Angehöri-gen zeigten.

Die Besucher konnten den Blick nicht von den flinken Händen der Spinnerinnen am Spinnrad vom Heimatverein Wiesental wenden.

Jasmin Kropp ließ sich anstecken, griff zur Spindel und ließ den Faden geschickt durch die Finger laufen. Sie besuchte mit ihrem Mann Claus, der das Freilichtlabor Lauresham leitet, die Veranstaltung. Gezeigt wurde, wie Leinenfasern und Wolle für das Spinnen vorbereitete werden. Bestaunt wurden die kunstvoll gedrechselten Spinnräder, die in feiner handwerklichen Kleinarbeit gefertigt waren.

Die Mitarbeiter des Freundeskreises fühlen sich beflügelt von dem großen Interesse, das ihre Veranstaltungen zum Jubiläum wecken und laden schon jetzt für den Mai ein, wenn die historische Person Maria Anna Zopf nachts in romantischer Atmosphäre durch das Museum führt oder der Weinküfer- und Böttchermeister im Ruhbenderhaus arbeitet. (Bac)

(Östringer Stadtnachrichten vom 20.04.2018, Text: Stefan Bachstädter, Bilder:Rüdiger Kasten)

  Gabi Stieglitz leitet Kinder zum Nadelfilzen an.  
 

 

 

 

 

 

Aufmerksame Zuhörer beim Vortrag"vom Faden zum Textil"

 

Karlheinz Grundl am Webstuhl

 

Spinnerinnen des Heimatvereins Wiesental

 

Tatjana Krüger, Naturinsel, zeigt ihre Arbeiten aus Filz

 

 


 

Der eisige Wind scheuchte die Besucher in die Östringer Museen.

Der Beruf des Korbflechters stand im Fokus der Veranstaltungen im Heimatmuseum und im  Ruhbenderhaus  in der Reihe „Altes Handwerk und aussterbende Berufe“ zum 1250jährigen Stadtjubiläum.

Begleitet wurden die Vorführungen und Mit-mach-Aktionen von Ausstellungen zu den Osterbräuchen und zu Korbwaren.

Während auf den Straßen und am Leibergplatz nur wenige Personen mit Mützen und hochgestelltem Kragen dem Wind trotzten, drängten sie sich in den Museen. Bei Halbzeit waren schon über 100 Besucher im schnuckeligen Ruhbenderhaus gezählt, wo sie Freddy Bopp und den Kindern beim Korbflechten zuschauten, sich die Hände am Kanonenofen wärmten, in anheimelndem Ambiente Kaffee aus bunten Sammeltassen tranken und aus steinernen Krügen Wein in grüne Römergläser schenkten.

Im Hof des 300 Jahre alten Anwesens erinnerten geflochtene Brotkörbchen, stabile Kartoffel- und Holzkörbe und riesige Futterkörbe, sowie Korbflaschen an die Vor-Plastik-Zeit. Ein Hauch von Ostermarkt war bei den Kunden zu spüren, die sich neue Körbe kauften.

Im Alten Rathaus flocht Juliane Eckstein hübsche Gegenstände für die Dekoration der eigenen vier Wände. Die frischen Weidebündel aus der Pfalz luden nach Längen sortiert zum kreativen Mitmachen ein. Buchstäblich im Handumdrehen entstanden, Kränze, Körbchen, Schiffchen und Herzen aus Weidenruten. Eckstein erläuterte die einzelnen Arbeitsschritte, sprach über die Eigenschaften des Werkstoffes und die Billigerzeugnisse aus Asien, die oft von Kindern zu Dumpinglöhnen gefertigt werden.


 

                                 

 

Der Korbflechter und die Kinder

 

 

Korbflechten im Heimatmuseum

Michaela Klefenz informierte auf Texttafeln über das Handwerk des Korbflechtens und über Osterbräuche. Dazu zeigte sie Holzkarren in verschiedenen Ausführungen und Größen, die in der Zeit vom Gründonnerstag bis zur Osternacht die Kirchenglocken ersetzen.

Am Karsamstag ziehen die Östringer Messdiener mit ihren meist selbstgefertigten Karren, die ohrenbetäubenden Lärm erzeugen,  von Haus zu Haus und erbitten eine kleine Gabe zur Belohnung für ihren ehrenamtlichen Dienst am Altar das ganze Jahr über. Die üblichen Geschenke sind Ostereier, Süßigkeiten und Münzen.

Ihr Spruch lautet: „Wir haben gekarrt am Heiligen Grab, darum gebt uns eine Gab, nicht so groß und nicht zu klein, dass sie geht ins Körbelein." Sie danken: "Ihr habt uns eine Gab gegeben, darum sollt ihr glücklich leben, glücklich eure Freunde, glücklich eure Kinder." Sie verfluchen: "Ihr habt uns keine Gab gegeben, darum soll euch der Teufel fegen." (Bac)

(Östringer Stadtnachrichten vom 23.03.2018, Text: Stefan Bachstädter, Bilder: Reinhard Längle)

 


                       Die Vorstellung vom dunklen Mittelalter ist falsch

Claus Kropp vom Kloster Lorsch ließ Östringen im frühen Mittelalter lebendig werden.

 

Einen weiteren Höhepunkt in der Veranstaltungsreihe der Stadt Östringen zum 1250-Jahre-Jubiläum setzte der Leiter des Freilichtlabors Lauresham Claus Kropp vor über 100 Zuhörern in der Stadtbücherei. Der Wissenschaftler und Praktiker, dem die BNN in der Wochenendausgabe eine ganze Seite widmete, zeichnete in seinem Vortrag zur ersten Erwähnung Östringens ein detailliertes   Bild Östringens im frühen Mittelalter. Er schilderte, wie die Menschen damals lebten, arbeiteten, wohnten, welche Berufe sie ausübten und veranschaulichte die Schilderung mit Bildern aus dem Freilichtlabor Lauresham. „Die Leute damals waren nicht dumm, es waren Menschen wie wir. Das Mittelalter war nicht finster“, führte Kropp aus.

Am Beispiel des Weltkulturerbes zeigte er die Bedeutung der ersten Klöster im Frankenreich für die Entwicklung ihres Einzugsbereichs auf. Das von seinem Vater Pippin gegründete Kloster Lorsch sollte nach dem Willen Karls d. Gr. den Odenwald und Kraichgau kultivieren.
Der Herrenhof mit Kirche, Wohnhäusern und Wirtschaftsgebäuden war die damalige Siedlungsform. Intelligente Handwerker bauten Häuser aus Holz, Flechtwerk und Lehm, deckten sie mit Reet und Stroh und erreichten Dämmwerte, die heutige moderne Bauten nicht erfüllen.   

Die Innenräume waren komfortabel ausgestattet und unterstrichen durch den erhöhten Sitz am Tisch die übergeordnete Stellung der Hausherren. Künstlerisch anspruchsvolle Möbel mit fein gedrechselten Verzierungen leisteten sich die Wohlhabenden.
Nachhaltig und resourcenschonend verarbeiteten die Handwerker die Rohstoffe, ohne Abfälle zu erzeugen. Ihre Werkzeuge unterschieden sich nicht wesentlich von den heutigen.

Die Landwirtschaft schonte die Natur durch den Einsatz von Zugtieren. Vielfalt im Anbau von Getreide schützte bei Wetterkapriolen vor dem Totalausfall. Die Menschen lebten eng mit den Tieren zusammen und ernährten sich von ihnen.

Die erste Erwähnung im Jahre 768 versah der vorsichtige Referent zwar mit einem Fragezeichen, sah sie aber wissenschaftlich als gesichert an und stützte sich dabei auf die Glöcknersche Bearbeitung des „Codex Laureshamensis“ in der deutschen Übersetzung von Minst: „Donatio Dudonis in eadem villa (768?) Aug. 18“  Ein Faksimile der Seite, auf der Östringen erstmals erwähnt ist, war in Originalgröße ausgestellt.

Die zahlreichen Fragen der Besucher bewiesen das starke Interesse an den Ausführungen Kropps.
Bürgermeister Felix Geider dankte den vielen Ehrenamtlichen unter den Anwesenden, die sich in die  Veranstaltungen der Stadt wirkungsvoll einbringen und lud sie ein, die Gelegenheit zum Besuch des Klosters am 11. und 21. April 2018 wahrzunehmen. (Bac)

(Stadtnachrichten vom 16.03.2018, Text: Stefan Bachstädter)

 


 

Überwältigendes Interesse an Kirchenführung

Michaela Klefenz und Jürgen Östringer staunten am Sonntagnachmittag nicht schlecht, als sich über 80 Besucher am Südportal der katholischen Kirche St. Cäcilia versammelten, um Informationen aus erster Hand zu erhalten.

Ein Großteil der Besucher kannte ihre Kirche von klein auf, Zugezogene wollten mehr über den Wohnort wissen und zahlreiche Interessierte kamen aus den Nachbargemeinden.

Beeindruckt zeigten sie sich von dem harmonischen Ensemble mit der Kirche dem Rathaus, dem Brunnen und der Mariensäule, die sich um die 100jährige Linde gruppieren.

Der entlaubte Baum ließ den freien Blick auf die Ölberggruppe am halbrunden Chor Bau der Kirche zu. Das benachbarte Pfarrhaus komplettiert den Gesamteindruck.

Bei einer Kirchenführung erlebt man den Innenraum anders als bei Gottesdiensten. Die Gäste ließen die gewaltigen Ausmaße der dreischiffigen neuromanischen Basilika auf sich wirken, während ihnen die Hobbyhistoriker Einzelheiten zu der Ausgestaltung und den Renovierungen erzählten.

Auf der geräumigen Empore erfuhren sie unter anderem von zwei gründlichen Instandsetzungen der kostbaren Steinmeyerorgel.

Die Kirchenführung, ein Beitrag der katholischen Kirchengemeinde zum 1250-Jahre-Jubiläum der Stadt, lieferte den Beweis dafür, dass die Bevölkerung stark interessiert ist an der Geschichte der Stadt. (Bac)

(Stadtnachrichten 09.03.2018,Text und Bild: Stefan Bachstädter)

                                    

 

 

 

 

 



 


 



 

 

 

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